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  • Andreas Werner Berlin

Das vorweggenommene Ende von TXL

Aktualisiert: Mai 7

Der Flughafen Berlin-Tegel, bekannt unter dem Kürzel TXL, soll, so der Plan, am 1. Juni 2020 vorübergehend geschlossen werden. Auf diese Weise will der Betreiber die durch die "Corona-Krise" entstandenen Verluste verringern. Gleichzeitig wird am 31. Oktober 2020 der neue Hauptstadtflughafen BER seinen Betrieb aufnehmen.

Für mich bleibt damit die Frage verbunden: Wird Tegel nach dem 1. Juni überhaupt noch einmal seinen Betrieb für die kurze Dauer bis zum Umzug zum BER aufnehmen.


Ich habe da bereits leise Zweifel und denke: Nein. TXL geht seinem Ende entgegen. Und ist es eine Verlust? Das wird die Zeit zeigen. Eine Sanierung ist mehr als überfällig. Das erkennt selbst jeder Laie.


Auf jeden Fall waren die Fakten Grund genug, schon einmal ein paar Fotos zum Abschied zu machen. Auch für mich begannen hier viele Reisen in die 'Welt'. Auch wenn damit oft Zwischenstopps in Hamburg, München, Düsseldorf oder Frankfurt verbunden waren. Das wird sich mit der Eröffnung des BER voraussichtlich ändern.

Hoffentlich.

Ich mochte diesen Flugplatz, der trotz seiner überschaubaren und fussläufigen Größe mit fast 25 Millionen Fluggästen in 2019 knapp hinter Düsseldorf immerhin Nummer 4 der größten deutschen Flughäfen war. Tegel ist aus meiner Sicht der einzige Flugplatz, bei dem es nur einige wenige Schritte vom Sitzplatz im Bus bis zur Abfertigung waren. Das alles mag zumindest für das Hauptterminal gelten.

Anders Terminal C. Da war nichts komfortabel. Hier hatte ich stets Erinnerungen an längst vergessene Sportstunden in provisorisch errichteten Turnhallen. Hier ging jedes positive Gefühl von Reiselust, Urlaubsvorfreude oder Fernweh nach nur wenigen Momenten definitiv verloren. Keinem einzigen Kind konnten Sie hier erklären, dass Reisen früher zelebriert wurde und der Flugplatz quasi so etwas wie der Bahnhof zu neuen Stationen war. In Terminal C dachte ich immer an längst verlassene Baumärkte oder abrissreife Lagerhallen. An wenigen Kiosken wurden hier nicht nur während der Berliner Schulferien, die zu Ferienbeginn einer riesigen Fluchtbewegung gleichen, tausende Urlauber mit ihren Kindern innerhalb kürzester Zeit mit überteuerten Espressi, Cola oder Brezel abgefertigt.

Den Tiefpunkt meiner TXL-Erinnerungen kennen Sie aber noch nicht. Stellen Sie sich einen verregneten Morgen im November oder Ende Januar vor. Sie haben EasyJet oder Ryanair wegen des Preises gebucht. Es ist 6.30 Uhr.

Sie sind froh, dass sie mit dem Bus halbwegs pünktlich angekommen sind. Sie nehmen den nicht enden wollenden Tunnel zu Terminal C. An der Sicherheitskontrolle warten mit Ihnen zusammen hunderte Angestellte, die ebenso auf dem Weg nach Bonn, Frankfurt oder München sind. Ein kaltes grelles Licht durchflutet den Wartebereich des Terminals. Und irgendwann geht es dann los und sie können endlich diese Lagerhalle verlassen.


Der Unterschied eines Morgenfluges ab Frankfurt oder München und Terminal C in Berlin ist der, dass die dort errichteten Gebäude wenigsten auf Dauer erreichtet wurden und einem das Gefühl geben, dass alles ein wenig auf die Bedürfnisse der Nutzer ausgerichtet ist. Was man aber in Terminal C am Morgen eines solchen Tages wahrnimmt, ist das ganze Gegenteil davon. Eine moderne Bushaltestelle ist dagegen einfach nur Luxus.


In Zeiten von Corona glaubt man gar nicht mehr, das es so etwas gegeben hat. Aber nun ist ja fast Schluss damit. Vielleicht ist es ein Gewinn!? Wahrscheinlich.




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